Vom 19. – 22. März verwandelte sich Leipzig wieder in einen Ort voller Bücher, Kreativität und natürlich auch etwas Verkehrschaos. Die Leipziger Buchmesse (LBM) hat wieder stattgefunden und zog 313.000 Menschen auf das Messegelände. Mit dabei auch 3658 Medienschaffende. Darunter unter anderem ich. Zweieinhalb Tage habe ich die Leipziger Buchmesse besucht. Veranstaltungen besucht, Menschen getroffen, Bücher gekauft, aber auch das Thema Barrierefreiheit für mich unter die Lupe genommen. Und damit beschäftigen wir uns jetzt intensiver:
Inhaltsverzeichnis
- LBM: Vorbereitung
- LBM: Donnerstag – Tag 1
- LBM: Freitag – Tag 2
- LBM: Samstag – Tag 3
- Was genau kann deine Hilfe bewirken?
- Bleibe auf dem Laufenden
- Neuste Beiträge
LBM: Vorbereitung
Die Vorbereitung war für mich für die Teilnahme an der Veranstaltung unfassbar wichtig. Ich habe mich vorab mit der Barrierefreiheit vor Ort beschäftigt. Leider empfinde ich, dass sich die Leipziger Buchmesse noch so einiges von der Frankfurter Buchmesse abschauen kann. Hierzu habe ich euch bereits einen Artikel geschrieben.
Bei der Vorbereitung war es tatsächlich hilfreich Booktokerin (Buchbubble auf Tik Tok) zu sein. Am Tag der Abreise habe ich morgens mein Video zur Vorbereitung auf die LBM hochgeladen. So konnte ich mir in diesem Moment noch einmal ins Gedächtnis rufen, was ich alles brauchte. Ich kenne mein ADHS Gehirn.
Also packte ich ein:
- Aufgrund der Reizüberflutung habe ich Stimmingtools eingepackt
- meine selbstgemachten Lesezeichen zum verteilen
- falls spontan die Menstruation sagt “hier bin ich”
- Geld, das ich extra für die LBM gespart hatte
- Mein Tablet mit Tastatur
- Veranstaltungen die ich an den Tagen besuchen wollte sortiert nach: Tag, Zeit und Relevanz
- Medikamente
- Ladekabel und Mikrofone
- Snacks
- Meine Stockspitze vorher noch gewechselt
- Kantenfilterbrille
- reizarme Kleidung
LBM: Donnerstag – Tag 1
Der erste Tag war schön, überfordert und direkt mit vielen Erlebnissen. An diesem Tag haben wir keine Veranstaltung besucht. Stattdessen habe ich viele Menschen kennengelernt, die ich sonst nur über Social Media kenne. Ich fand es überwältigend, die Menschen offline kennenzulernen.
Dennoch startete der Messebeginn etwas holprig. Es wurden mehr Parktickets für den Presseparkplatz verteilt, als Parkplätze vorhanden waren. So mussten wir auf einen offiziellen Parkplatz fahren. Dort wurden wir leider nicht mehr auf Behindertenparkplätze aufmerksam. Stattdessen hatten wir einen für mich recht langen Weg zur Halle über eine Parkplatz. Endlich angekommen, passierte folgendes: “Vorsicht die hat einen Blindenstock vielleicht ist sie blind”. Natürlich könnte man sich das damit erklären, dass auch sehbehinderte Menschen zur Orientierung einen Langstock benutzen können. Jedoch hinterlassen solche Aussagen bei mir immer einen bitteren Beigeschmack, wenn sie auch dort fallen, wo Cosplay stattfindet. Denn viel zu oft wird mein Langstock, ein für mich essentielles Hilfsmittel zur Teilhabe und Orientierung, als Verkleidung gesehen. Für mich bis heute nicht verwunderlich, da mir schon Menschen aus der Szene gesagt haben, dass sie es okay finden würden, Hilfsmittel als Cosplay Accessoir zu nutzen.
Am ersten Tag war ich vor allem in der Halle 2. Hier haben wir die dtb Lesen besucht. Ich habe mich durch Braille-Bücher getastet und taktile Bilder erfüllt. Vor allem interessiert hat es mich auch, wie es funktioniert, dass ich Autor*innen oder Verlage bei der DZB Lesen melden können, um Bücher barrierefrei erstellen zu lassen. DZB Lesen erstellt Bücher in Großdruck, Braille und Hörbücher. Aber Vorsicht! Es handelt sich nicht um einen Verlag. Das Buch muss bereits auf dem Buchmarkt zur Verfügung stehen. Dann kann der Leser*innenwunsch eingereicht werden. Wenn das Buch in das Programm passt und kein ähnliches Buch bereits vorhanden ist, wird das Buch aufgenommen. Auf die Verlage und Autor*innen kommen keine weiteren Kosten zu.
Natürlich habe ich mir auch Selpublisher*innen und kleine Verlage angeschaut. Von ihnen lese ich Bücher am liebsten.
Eines der schönsten Dinge, die ich an diesem Tag gehört habe, war, dass man mich an meinem Gesicht und nicht an meinem Stock erkennt. Ich glaube, dass sich kaum eine Person vorstellen kann, wie schön das zu hören ist und wie viel mir das bedeutet.
Ihr wollt ein paar visuelle Eindrücke vom ersten Tag der LBM? Hier auf Tik Tok und Instagram finden sich Videos. Zusätzlich gab es an diesem Tag noch ein kleines Interview mit mir.
LBM: Freitag – Tag 2
Bereits am zweiten Tag war ich schon etwas genervt von einigen Gegebenheiten. Zwar haben wir es an dem Tag endlich auf dem Presseparkplatz geschafft, jedoch waren wir von dem Angebot an Behindertenparkplätzen enttäuscht. Hier nannten sie sich übrigens barrierefreie Parkplätze. Die waren kleiner als der Parkplatz der Geschäftsführung und hatten am Anfang des Parkplatzspots 2 Barrieren dort stehen. Was mich ebenfalls etwas missmutig stimmte war, dass es eine Drehtür gab, die man selbst anschieben muss mit engen Spaces. Neben den Eingängen gab es zwar Türen, aber die ließen sich nicht öffnen. Bei einer der beiden Türen handelte es sich auch um eine Notfall Tür. Hier hätte ich mir mehr Informationen zu barrierefreien Eingängen gewünscht, denn es gibt auch Medienschaffende, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind.
Nachdem wir durch die Drehtür gingen, folgte ein enges Drehkreuz. Auch hier hätte ich mir eine Alternative gewünscht. Ich sagte zwar, dass ich das “kacke” finde, dennoch passierte nichts. Ja, an dem Tag passieren viele Menschen die Eingänge. Jedoch hätte es hier mit einem Behindertensymbol auf einem Eingang das ganze einfacher gemacht. Meine Begleitperson hätte so direkt gewusst, wo ich entspannt entlang gehen kann. So mussten wir uns durchtesten und waren doch an einigen Stellen enttäuscht worden. “Demokratie heißt Teilhabe: Blinde Autor*innen und Leser*innen und der Buchmarkt”. Ein total spannendes Thema, wie ich fand. Und als Autorin und Leserin für mich wichtig. Dieses Thema ließ so viel Spielraum für Barrieren in der Buchbranche, Systemveränderung, Repräsentation in Büchern, Sensitivity Reading, und vieles mehr. Leider kam es mir im ersten Moment vor wie eine falsche Veranstaltung. Saßen wir in “Poesie in Braille”? Denn im Fokus stand genau das. Ein Bilderbuch über Poesie. Auch hätte ich mir ein diverses Bild gewünscht. Also auch junge blinde Autor*innen.
Das Gespräch stieg ein, indem der Interviewer die beiden Frauen vorstellte. Hier hätte ich mir direkt gewünscht. dass sie sich selbst vorstellen. Für mich ist es bei einer Vorstellung: Es wurden Begriffe wie Barrierefreiheit und Blindheit verwendet, aber leider nicht erklärt, was das bedeutet. Es klang oftmals so , dass Braille und Hörbücher die einzigen Möglichkeiten sind und Barrierefreiheit bedeuten. Dabei finde ich Barrierefreiheit in E-Books auch ein wichtiges Thema. An einigen Stellen fand dich das Interview sehr demotivierend und als wäre es als blinde Autorin unfassbar schwierig. Zwei Frauen berichteten, wie sie Lesende und Schreibende. Jedoch wurde viel so formuliert, dass es verallgemeinert wurde. Das, was dort gesagt wurde, gilt nicht für alle. Hier hätte ich mir jedoch ein breiteres Spektrum von Lesenden und Schreibenden gewünscht.
Während des Interviews verwirrte es mich oftmals, dass der Moderator an die beiden Frauen Fragen stellte und Formulierungen nutzte wie jetzt eine Frage an dich. Wussten sie, wann wer gefragt werden würde? Ansonsten ist es bei blinden Menschen vielleicht nicht die geeignetste Wahl. Auch schien der Moderator nicht zu wissen, was das DZB lesen ist. Denn er ging von was ganz anderem aus.
Als er dann Formulierungen wie “normale Bücher” oder “normale Verlage” nutzte, war für mich seine Eingangsfrage schnell beantwortet. Warum hat sein Verein noch nicht an so etwas wie Braille gedacht , bei Büchern oder anderen Verlage? Nun ja, wenn es nicht als normal gilt, wenn Barrierefreiheit und Teilhabe nicht selbstverständlich sind, an uns nicht gedacht wird, dann vergisst man das ganz schnell. Diese Veranstaltung hatte viel Potential, doch wirklich begeistert war ich nicht. Vor allem, weil es auch um Demokratie und Teilhabe gehen sollte. Doch mitten in der Veranstaltung überprüften wir noch einmal das Programm auf der Seite der LBM. Wir saßen eigentlich richtig.
Danach gab es wieder eine Pause im Bloggerraum und wir trafen wieder einige Booktoker*innen vom gestrigen Tag.
Die zweite Veranstaltung an diesem Tag auf der LBM,die wir besuchen wollten, hat mir deutlich besser gefallen. Es ging um Vielfalt in der Phantastik. Hauptsächlich ging es hier um Vielfalt: Queer, NBeurdivergent udn mental Health. Dabei wurde von dem
vortragenden Verlag auch ein Buch erwähnt, welches unfassbar viel Repräsentation beinhaltete: Albinismus, Rassismus. Queer und noch 1-2 weitere. Natürlich konnte ich es mir am Ende der Veranstaltung nicht nehmen lassen, nach Sensitivity Reading zu fragen. Denn bei so viel Repräsentation brannte mir die Frage unter den Nägeln. Leider eine übliche Antwort, die oft von Verlagen kommt. Die finanziellen Mittel dafür stehen nicht zur Verfügung. Dennoch bekam ich das Feedback, dass nicht nur ich mri die Frage gestellt habe.
Bei beiden Veranstaltungen hat es mir gefehlt, dass etwas mehr auf visuelle Inhalte eingegangen wird. Beispielsweise, dass man den Titel nennt von Büchern, die man gerade zeigt.
Am Ende des zweiten Tages war ich jedoch völlig erschöpft und überreizt. Im Auto liefen schon die Tränen und ich wusste, einen weiteren Tag würde ich nicht schaffen.
Ihr wollt visuelle Eindrücke von dem Tag? Die findet ihr wieder auf Tik Tok und Instagram
LBM: Samstag – Tag 3
Nachdem ich bereits am Ende des zweiten Tages nicht mehr konnte – erschöpft und reizüberflutet war, war klar, lange würde das Samstag nicht gut gehen. Da wir aber am Tag vorher eine Zeichnung in Auftrag gegeben haben, die wir am Samstag morgen abholen konnten, kamen wir nicht umhin, das Messegelände noch einmal zu besuchen. Genau das taten wir auch direkt. Aufgrund der ganzen Überforderung meiner vergessenen Medikamente brach ich direkt in Tränen aus, als ich die Zeichnung unserer kleinen Hündin in den Händen hielt.
Danach saßen wir hauptsächlich im Bloggeraum. Die Hallen füllten sich rasant, die Schlange beim Lyx-Stand war bereits auf vier Stunden angestiegen und uns war klar: wir brechen ab. Nachdem wir also noch einmal kurz bei Selfpublisher*innen vorbeischauen und ich noch 2 Bücher mitgenommen hatte, haben wir uns nach einem kleinen Snack verabschiedet. Ich fand es nur ein wenig schade, da ich dringend die neue Norm sehen wollte. Doch muss ich ganz ehrlich sagen: 2 Tage Messe auf jeden Fall. Drei nicht.
Die Messe ist groß mit einem tollen Angebot und Veranstaltungen, sodass man 2 Tage braucht. Vor allem dann, wenn man auch regelmäßig Pausen machen muss und Jedoch wüsste ich nicht, ob ich es auf die Messe schaffe, wenn ich nicht akkreditiert wäre. Sitzgelegenheiten fand ich nicht wirklich. Es sah im Bloggerräum natürlich anders aus. Natürlich gab es bei den Veranstaltungen Stühle, aber wenn ich eine Pause brauche, brauche ich auch etwas Ruhe. Das heißt, man muss schauen, dass keine Veranstaltung stattfindet. Drei Tage sind einfach zu viel. Und das ist okay. Wir werden künftig Donnerstags und Freitags auf der Messe sein. Die Tage, an denen potentiell weniger Menschen vor Ort sind als an einem Samstag. Von einer Reaktion an diesem Tag war ich jedoch enttäuscht. Ich wurd emit offenem Mund und großen Augen angestarrt. Erst glitt der Blick auf meinen Stock, dann in mein Gesicht. Dies wurde mir so beschrieben.
Ihr wollt visuelle Eindrücke von dem Tag? Die findet ihr wieder auf Tik Tok und Instagram.
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