Heute zeige ich euch bereits die 2. Prüfung. Lange haderte ich mit mir, ob ich euch meine Prüfungen überhaupt zeigen mag. Aber wo wäre der Sinn, wenn mein Wunsch doch zu veröffentlichen ist? Aus diesem Grund zeige ich auch heute meine 2. Aufgabe: Schreibe eine Flash Fiction. Das habe ich getan und ich wünsche viel Spaß beim Lesen.
Inhaltsverzeichnis
- Herbert und die Flammen der Vergangenheit
- Was genau kann deine Hilfe bewirken?
- Bleibe auf dem Laufenden
- Neuste Beiträge
Herbert und die Flammen der Vergangenheit
Herbert, ein älterer beleibter Mann in kariertem Flanellhemd lebt mitten im Wald, versteckt zwischen Bäumen, ohne Wegweiser und Waldweg, in einer kleinen Holzhütte. Jeden Morgen hackt er Holz für den Kamin, erledigt kleine Arbeiten am Haus, kocht Fleisch, das er selbst erjagt hat und Kartoffeln, die er selbst gepflanzt hat. Abends sitzt er in einem Sessel neben dem Kamin. Er schaltet das Radio ein. Trinkt einen Scotch und schaut dem Feuer beim Tanzen zu. Das hatte Gertrud immer gern getan. Getanzt. Herbert hasste das Tanzen. Aber er liebte den Ausdruck in Gertruds Augen, als sie tanzen gingen. Herbert trank gerne Scotch. Je mehr er trank, desto mehr hatte er das Gefühl, Gertruds Gesicht würde ihm aus den Flammen zuschauen. Ein paar Stunden später steht er schwerfällig auf und geht ins Bett. Er liegt immer noch auf der linken Seite, so wie er es früher immer getan hatte, weil Gertrud links nicht schlafen konnte. Auch schloss er abends nie die Jalousien. Auch, wenn ihn die Helligkeit noch einige Atemzüge wach hielt. Unbewusst fährt seine Hand auf die kalte rechte Seite, wenn er nachts plötzlich aufwacht.
Dann beginnt der Morgen und Herbert greift zu seiner Axt. Doch heute singen keine Vögel. Das Prasseln des Regens verschluckt alle anderen Geräusche. Herbert setzt sich in die Küche, schaut dem Sekundenzeiger hinterher und trommelt mit den Zeigefingern auf die Tischplatte. Er steht auf. Schaut aus dem Fenster. Schnauft. Setzt sich wieder auf seinen Platz. Nach einigen Atemzügen steht er wieder auf. Schaut aus dem Fenster. Schnauft und setzt sich wieder auf seinen Platz. Dabei kneift er mehrmals die Lippen zusammen und schnauft. Als ein Fiepen vor der Tür ertönt, horcht er auf. Herbert schaut kurz zur Tür. Dann schweift sein Blick zurück zum Sekundenzeiger, der unaufhörlich seine Runden dreht. Erst als ein Kratzen an der Tür zu hören ist, reißt Herbert seinen Blick von dem Sekundenzeiger los und öffnet mit einem rück die Haustür. Mit der Axt in der einen Hand und dem Türknauf in der anderen steht er nun da. Vor ihm ein nasses zitterndes Bündel Fell, das in der Sekunde auch schon durch seine Beine flitzt.
Grummelnd nähert sich Herbert dem kleinen Hund, der sich vor dem Kamin zusammengerollt hat. Wedelnd beobachtet der Vierbeiner Herbert, der nun vor ihm steht. Herbert mustert den Hund und verschränkt seine Arme. Wem dieser Hund wohl gehören mag. Ein paar Streicheleinheiten durch das nasse Fell nutzte Herbert, um ein Halsband zu finden. Aber von diesem gab es keine Spur. Letztendlich öffnete Herbert ein Fenster auf Kipp. Dadurch drangen die Regengeräusche nur stärker an seine Ohren. Aber auch mögliche Rufe nach einem vierbeinigen Ausreißer. Doch keinen einzigen menschlichen Ton konnte Herbert vernehmen.
Auch die Tage darauf hörte Herbert nichts. Auch nicht als er in die Stadt fuhr, um sich dort nach Flugblättern oder Suchen im Tierheim umzusehen. Herbert blieb stehen. Sein Magen zieht sich immer mehr zusammen, als er mehr und mehr über den Abschied von Fifi nachdachte. Mittlerweile hat das kleine Bündel Fell einen Namen. Außerdem hatte Herbert Fifis Blick nicht widerstehen können und so landete die ein oder andere Leberwurststulle in seinem Napf. Herbert schmunzelt bei diesem Gedanken. Er betritt einen Supermarkt und kauft gleich 2 Leberwürste. Das scheint ihm jedoch nicht genug zu sein. Kurzerhand betritt er ein Tiergeschäft und kauft allerhand für Fifi: Spielzeug, Kleinigkeiten für die Pflege, Halsband, und ein Körbchen. Auch wenn Fifi wahrscheinlich, wie die letzten Nächte, wieder in seinem Bett schlafen würde. Nächte, in denen er voller Sehnsucht seine Hand der rechten Betthälfte rausstreckte und gegen einen warmen, flauschigen Körper stieß, der seine Hand abschleckte.
Als Herbert nach Hause kommt, stürmt Fifi wedelnd auf ihn zu. Springt an ihm hoch. Herbert lacht. Erst zaghaft wie jemand, der nicht wusste, was er tat, dann immer lauter.
Abends setzte er sich mit Fifi an den Kamin. Beide auf ihrem Stammplatz. Fifi lag zusammengerollt auf dem Fell vor dem Kamin und Herbert in seinem Sessel während des Radios lief. Dabei lächelt Herbert, schaut mit warmem Blick auf die Flammen im Kamin und wippt zum Takt der Musik mit seinem Bein auf und ab. Leise summt Herbert und auch sein Kopf wippt zur Musik. Seine Muskeln zucken vor Energie und suchen Entladung. Im nächsten Takt springt Herbert tanzend aus seinem Sessel und wippt mit dem ganzen Körper zur Musik. Fifi hebt seinen Kopf und springt wedelnd auf. Nun springen sie beide auf und ab und durch das Haus hallt Herberts lachen. Und aus den Flammen lächelt Gertrud.
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