„Ihr habt doch auch Behinderte in eurem Land oder“ – mit diesem Satz steigt das Video von „Die Deutschen Podcast“ (Hosts: Nizar & Shayan) und Luke Mockridge an. Dabei ist Ableismus in der Comedy-Szene keine Seltenheit und wird oft als Inklusion oder schwarzer Humor verkauft. Als würden sie etwas grandioses machen und behinderte Menschen müssten dankbar sein. Dabei fällt in diesem Setting schnell auf, wie abwertend der Anfangssatz gemeint ist.
Inhaltsverzeichnis
- Ableismus in der Comedyszene: Der Podcast
- Ableismus in der Comedyszene: weitere Beispiele
- Ableismus in der Comedyszene: Behinderte Menschen und Humor
- Verleihe meiner Arbeit Flügel
- Bleibe auf dem Laufenden
- Neuste Beiträge
Ableismus in der Comedyszene: Der Podcast
Aber von vorne, was ist alles passiert? Luke Mockridge war zu Gast im Podcast von: „Die Deutschen Podcast“. Ein Podcast, der auch mit ableistischen Ausdrücken auffällt. Freitag abend schlug dann ein Video des Accounts Wellen:
„Ihr habt doch auch Behinderte in eurem Land oder“ so Luke Mockridge.
Ich glaube, ich muss nicht weiter ausführen, wie abwertend und abfällig hier das Wort „Behinderte“ genutzt wird. Abgesehen davon: Nutzt bitte behinderte Menschen oder Menschen mit Behinderung als Wording.
„Ich würde die alle rasieren“ – so einer der Hosts.
Die Paralympics sind Sport. Sport von Leistungssportler*innen mit Behinderung. Lasst mich ehrlich sein: Nicht mal ihr drei zusammen hättet eine Chance gegen nur eine Person, die bei den Paralympics antritt. Denn die Teilnehmenden erzielen eine Leistung, von der ihr in euren bequemen Sesseln nur träumen könnt. Leider wird das Thema Paralympics wieder nur auf Behinderung statt auf Leistung in diesem Zusammenhang reduziert.
„Da sind ja nur so Leute, die so Hände haben“ (abfällige Bewegung mit den Armen) – so einer der Hosts.
Mit der Bewegung wird sich nicht nur über behinderte Menschen lustig gemacht, sondern auch Menschen mit Behinderungen auf sichtbare und körperliche Behinderungen reduziert und ihre Leistung bei den Wettkämpfen niedergemacht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die 3 weder Respekt vor behinderten Menschen haben noch die Paralympics kennen, noch Ahnung haben, wovon sie reden. Doch mit ihrer Reichweite tragen sie ihre Botschaft in die Welt. Videos, die mehrfach geklickt, geteilt und geliked werden, wie auch kommentiert werden. Menschen,die eine Vorbildfunktion haben.
„Ein tolles Event für Inklusion“ – So Luke Mockridge.
Nein, damit meint er glücklicherweise nicht seinen Auftritten, denn die sind mit dem Programmpunkt „Paralympics“ alles andere als inklusiv, sondern er bezieht sich allgemein auf die Paralympics. „Die Olympics und die Paralympics sind nicht inklusiv. Die Spiele sind zeitlich voneinander getrennt“ – so der Leitfaden für Journalist*innen für die Paralympics von Raul Krauthausen. Inklusion ist ein Miteinander und keine Trennung von behinderten und nicht-behinderten Menschen.
„Sollen Wir mal schauen wer die Schnellern hat“ – so Luke Mockridge.
Als wären wir Tiere, als würden uns nicht-behinderte Menschen wie in einem Zirkus gegeneinander antreten lassen.
Aber was ist nicht passiert? Während munter fröhlich beide Accounts weiterhin aktiv auf Social Media sind und sich viele behinderte und chronisch kranke Menschen dazu geäußert haben, wie ableistisch und diskriminierend diese Aussagen seien, gab es kein Statement, kein Entfernen des Videos – nichts. Luke Mockridge hat nicht angekündigt sein Programm zu ändern oder sich kritisch mit seinen Aussagen auseinanderzusetzen. Nein, dieses Video wurde auch bewusst hochgeladen.
Ableismus in der Comedyszene: weitere Beispiele
Doch selbst der offizielle Account der Paralympics zeigt „lustige“ Clips über behinderte Menschen, die mittlerweile aufgrund von diskriminierenden Inhalten teilweise stark in der Kritik stehen. Denn hier wird sich des Öfteren mal in einem Video über Behinderungen lustig gemacht. Nicht nur aufgrund der fehlenden Inklusion, sondern auch aufgrund dessen und aussagen wie Luke Mockridge sie tätigte, wundert es mich nicht, das Raul Krauthausen gegenüber dem Spiegel folgende Sorge äußerte: „man müsse aufpassen, dass die Paralympics nicht zur Freakshow ausarteten“. Denn diese Entwicklung als Freaks, als die Anderen und als die, die man verspottet, nimmt dieser Trend gerade für mich an. Mitverantwortlich für die Videos, die rund um die Paralympics entstehen. „Ich fürchte vielleicht sogar, dass die Tatsache, dass es eben die Olympischen Spiele gibt, zwei Wochen später dann die Paralympischen Spiele vielleicht genau diese Segregation, also diese Trennung behindert/nichtbehindert auch manifestiert und etabliert.“ So Raul Krauthausen in dem Interview.
Luke Mockridge zeigt in seinen Aussagen, wie er behinderte Menschen und die Paralympics sieht. Im Fokus stehen die Behinderungen und nicht die Leistung. Denn eine Leistung traut er behinderten und chronisch kranken Menschen nicht zu „denn die würde er alle rasieren“.
Dabei kennen wir auch noch Aussagen wie „sich in das Leben von nicht-betroffenen reinbehindern“ von Felix Lobrecht, als er über Behindertenparkplätze spricht.
Doch hier sehe ich auch Journalist*innen klar in der Verantwortung, Ableismus als diesen zu benennen. Und nicht als „Mit platten Witzen„. Diese Witze waren nicht platt, sondern hoch ableistisch. Dies muss klar so benannt werden.
Ableismus in der Comedyszene: Behinderte Menschen und Humor
Es ist wichtig, dass wir Menschen, die Ableismus reproduzieren, keine Bühne geben, dass wir Ableismus als solchen benennen und dass wir nicht-behinderte Menschen haben, die gemeinsam mit uns laut werden. Vor allem nun während seiner Show. Während einer Show, in der er ankündigt, solche Witze zu erzählen. Steht auf – macht laut oder macht es besser und geht gar nicht erst hin.
Inklusion bedeutet nicht, dass man behinderte Menschen diskriminieren darf. Auch Meinungsfreiheit und künstlerische Freiheit bedeuten nicht, dass man Menschen diskriminieren darf. Denn ganz gleich existiert ein Antidiskriminierungsgesetz, welche Diskriminierung aufgrund von:
- Alter
- Geburt
- Vermögen
- Personenstand
- politischer Überzeugung
- gewerkschaftlicher Überzeugung
- sexueller Orientierung
- Sprache
- Behinderung (an dieser Stelle ganz wichtig)
- soziale Herkunft oder Lage
- Religion oder Weltanschauung
- körperlichen oder genetischen Merkmalen
- Gesundheitszustand
verbietet. Wir alle kennen Artikel 3 des Grundgesetzes.
Doch, wenn alle lachen und sich behinderte Menschen beschweren, dann sind es oft die behinderten Menschen, die keinen Spaß verstehen. Doch hier sagt Matilda ganz klar „Die Empörung rührt auch nicht daher, weil wir behinderten kein Spaß verstehen würden, sondern gerade, weil wir Spaß verstehen“. Ein Statement gefallen in einem Video zu Felix Lobrechts ableistischen Aussagen, dennoch auch an dieser Stelle wieder passend.
Dass behinderte Menschen keinen Humor haben, das kann ich nicht unterschreiben. Humor ist unterschiedlich. Jede Person findet andere Dinge witzig. Doch auch ich mache gerne Witze über Wording, über Strukturen etc. Dinge, die zum Nachdenken und Reflektieren einladen und auch den Spiegel vorhalten können.
Oft wird es als Inklusion verkauft, wenn Witze über behinderte Menschen gemacht werden. Nach unten zu treten ist jedoch nicht besonders inklusiv. Ableismus ist keine Comedy und auch keine Inklusion. Ableismus ist Diskriminierung. Hier wird bewusst gegen eine marginalisierte Gruppe gewettert.
Inklusion ist, wenn alle Menschen einen Zugang haben, wenn man sich respektvoll auf Augenhöhe begegnet und nicht Diskriminierung verpackt in „makabarem Humor“ von Luke Mockridge.
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